Titel
Strategie oder pures Glück?
Autor/Erfasser/Quelle
www.casinos.ch
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Der Poker-Boom geht weiter: Eine Neu-Isenburgerin hat sich sogar bis zur
Weltmeisterschaft gezockt.
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NIELS BRITSCH auf op-online.de
Der Puls geht schneller, mit schweißnassen Händen erwartet Pierre nervös die letzte und
entscheidende Karte, im Poker-Jargon „River“ genannt: Ein Herz-König kommt, Pierre
flucht laut. Aus. Vorbei, alles gesetzt („All in“) und alles verloren trotz eines König-
Drillings, doch die Straße (9, 10, Bube, Dame, König) ist das bessere Blatt. Beim Poker
ist jedoch „alles“ relativ, es bedeutet lediglich, dass Pierre sämtliche Chips setzte,
die er noch besaß (und die – in dieser Runde zumindest – ursprünglich einem Gegenwert
von 15 Euro entsprachen).
Einmal in der Woche treffen sich Pierre und seine Kumpels zum Pokern, sie sind
Studenten, Ingenieure, Geschäftsleute, Kellner und Pädagogen. Ihre Namen wollen sie
nicht nennen und auch sonst keine personenbezogenen Angaben machen: „Pokern gilt als
Glücksspiel und ist damit illegal, wir wollen gar nicht erst auf uns aufmerksam machen“,
begründet Uwe lapidar die Einsilbigkeit der Zocker. Die jungen Männer fühlen sich
kriminalisiert, ihre Sorge bezieht sich jedoch nicht auf die kleine Hobbyrunde: Denn
während sie sich hier zum Spaß treffen und um kleine Beträge spielen, finanzieren sich
einige von ihnen den momentanen Lebensunterhalt beim Online-Poker.
Zwei bis dreimal wöchentlich spiele er online, schätzt Uwe. Der Student gewinnt eigenen
Angaben zufolge durchschnittlich 2000 Euro im Monat – „mit Erfahrung, Geduld und
aggressivem Spiel“, wie er seine Strategie beschreibt. „Außerdem ist es wichtig, die
Gegner einzuschätzen und sich ein wenig mit der Wahrscheinlichkeitsrechnung vertraut zu
machen.“ Sein Wissen über Poker hat er sich unter anderem auch mit der Lektüre von
entsprechenden Büchern angeeignet.
Das Poker-Geschäft boomt, in Supermärkten und bei Discountern werden Spielekoffer für
einen günstigen Preis verkauft und zahlreiche Online-Anbieter setzen weltweit Milliarden
von Euro jährlich um. Auch in Deutschland nutzen immer mehr Menschen Portale
wie „Pokerstars“, „Partypoker“ oder „Fulltilt-Poker“. Laut Umfragen spielen ungefähr
eine Million Bundesbürger Poker, 430 000 davon online - obwohl in der Bundesrepublik
laut Glücksspielstaatsvertrag (GlüStV) Spiel- und Wettaktivitäten (mit einem Entgelt als
Einsatz) nur in staatlich lizensierten Betrieben erlaubt sind – und Poker gilt laut
Gesetz als Glücksspiel (siehe untenstehenden Bericht).
Die Onlinepoker-Anbieter werben mit Stars wie Boris Becker und Stefan Raab, oder mit
Poker-Profis wie Soraya Homam: Die 48-Jährige aus Gravenbruch ist über Schach zum Pokern
gekommen, sie sieht Parallelen zwischen dem Kartenspiel und dem Spiel der Könige. 2000
holte sie einen Europameistertitel und 2008 gewann sie die Poker-Weltmeisterschaft der
Frauen. Seit 20 Jahren ist sie leidenschaftliche Pokerspielerin, drei- bis viermal in
der Woche geht sie ins Kasino. „Ich würde mir wünschen, dass Pokern dieses negative
Image verliert“, sagt sie.
Denn viele Pokerspieler – Profis und Amateure – kritisieren, dass Poker als Glücksspiel
gilt und sie somit als „Zocker“ verschrien sind. Für sie ist Pokern mehr ein Sport:
Erfahrene Spieler können den Glücksanteil auf 20 Prozent minimieren, glaubt Uwe. Der
Rest bestehe aus Taktik und Strategie. „Wer einmal gewinnt, kann Glück haben, wer oft
gewinnt, ist ein guter Pokerspieler.“ Auch Soraya Homam beschreibt Pokern „als ein
Geschicklichkeitsspiel, das strategischen Denkens bedarf“. Mit den strengen Gestzen hat
sie kein Problem: „Ich habe mich damit arrangiert, wir spielen ja freiwillig. Der
Gesetzgeber schreibt das so vor, daran halte ich mich.“
Uwe findet die rechtliche Grauzone des Online-Pokerns in Ordnung: „Wenn es legal wäre,
müsste ich am Ende noch Steuern zahlen.“ Sein Kumpel Pierre dagegen hätte gerne
rechtliche Sicherheit: „Wenn es legal wäre, könnte man Gewinne versteuern und Einsätze
von der Steuer absetzen.“ Mit den Einnahmen könne der Staat dann viel effektiver
Projekte zur Suchtprävention finanzieren. Er vermute sowieso, dass der Staat mit dem
Monopol auf zusätzliche Einnahmen spekuliere, so Pierre. Das Suchtpotenzial schätzt Uwe
als gering ein. „Entweder man ist gut – und erfolgreich, oder man verliert schnell
wieder die Lust, wenn es nichts zu holen gibt.“
Information von www.casinos.ch
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