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 Strategie oder pures Glück? (06.02.2010)
Titel
Strategie oder pures Glück?

Autor/Erfasser/Quelle
www.casinos.ch



Headline

Der Poker-Boom geht weiter: Eine Neu-Isenburgerin hat sich sogar bis zur Weltmeisterschaft gezockt.


NIELS BRITSCH auf op-online.de

Der Puls geht schneller, mit schweißnassen Händen erwartet Pierre nervös die letzte und 
entscheidende Karte, im Poker-Jargon „River“ genannt: Ein Herz-König kommt, Pierre 
flucht laut. Aus. Vorbei, alles gesetzt („All in“) und alles verloren trotz eines König-
Drillings, doch die Straße (9, 10, Bube, Dame, König) ist das bessere Blatt. Beim Poker 
ist jedoch „alles“ relativ, es bedeutet lediglich, dass Pierre sämtliche Chips setzte, 
die er noch besaß (und die – in dieser Runde zumindest  – ursprünglich einem Gegenwert 
von 15 Euro entsprachen).

Einmal in der Woche treffen sich Pierre und seine Kumpels zum Pokern, sie sind 
Studenten, Ingenieure, Geschäftsleute, Kellner und Pädagogen. Ihre Namen wollen sie 
nicht nennen und auch sonst keine personenbezogenen Angaben machen: „Pokern gilt als 
Glücksspiel und ist damit illegal, wir wollen gar nicht erst auf uns aufmerksam machen“, 
begründet Uwe lapidar die Einsilbigkeit der Zocker. Die jungen Männer fühlen sich 
kriminalisiert, ihre Sorge bezieht sich jedoch nicht auf die kleine Hobbyrunde: Denn 
während sie sich hier zum Spaß treffen und um kleine Beträge spielen, finanzieren sich 
einige von ihnen den momentanen Lebensunterhalt beim Online-Poker.

Zwei bis dreimal wöchentlich spiele er online, schätzt Uwe. Der Student gewinnt eigenen 
Angaben zufolge durchschnittlich 2000 Euro im Monat – „mit Erfahrung, Geduld und 
aggressivem Spiel“, wie er seine Strategie beschreibt. „Außerdem ist es wichtig, die 
Gegner einzuschätzen und sich ein wenig mit der Wahrscheinlichkeitsrechnung vertraut zu 
machen.“ Sein Wissen über Poker hat er sich unter anderem auch mit der Lektüre von 
entsprechenden Büchern angeeignet.

Das Poker-Geschäft boomt, in Supermärkten und bei Discountern werden Spielekoffer für 
einen günstigen Preis verkauft und zahlreiche Online-Anbieter setzen weltweit Milliarden 
von Euro jährlich um. Auch in Deutschland nutzen immer mehr Menschen Portale 
wie „Pokerstars“, „Partypoker“ oder „Fulltilt-Poker“. Laut Umfragen spielen ungefähr 
eine Million Bundesbürger Poker, 430  000 davon online - obwohl in der Bundesrepublik 
laut Glücksspielstaatsvertrag (GlüStV) Spiel- und Wettaktivitäten (mit einem Entgelt als 
Einsatz) nur in staatlich lizensierten Betrieben erlaubt sind – und Poker gilt laut 
Gesetz als Glücksspiel (siehe untenstehenden Bericht).

Die Onlinepoker-Anbieter werben mit Stars wie Boris Becker und Stefan Raab, oder mit 
Poker-Profis wie Soraya Homam: Die 48-Jährige aus Gravenbruch ist über Schach zum Pokern 
gekommen, sie sieht Parallelen zwischen dem Kartenspiel und dem Spiel der Könige. 2000 
holte sie einen Europameistertitel und 2008 gewann sie die Poker-Weltmeisterschaft der 
Frauen. Seit 20 Jahren ist sie leidenschaftliche Pokerspielerin, drei- bis viermal in 
der Woche geht sie ins Kasino. „Ich würde mir wünschen, dass Pokern dieses negative 
Image verliert“, sagt sie.

Denn viele Pokerspieler – Profis und Amateure – kritisieren, dass Poker als Glücksspiel 
gilt und sie somit als „Zocker“ verschrien sind. Für sie ist Pokern mehr ein Sport: 
Erfahrene Spieler können den Glücksanteil auf 20 Prozent minimieren, glaubt Uwe. Der 
Rest bestehe aus Taktik und Strategie. „Wer einmal gewinnt, kann Glück haben, wer oft 
gewinnt, ist ein guter Pokerspieler.“ Auch Soraya Homam beschreibt Pokern „als ein 
Geschicklichkeitsspiel, das strategischen Denkens bedarf“. Mit den strengen Gestzen hat 
sie kein Problem: „Ich habe mich damit arrangiert, wir spielen ja freiwillig. Der 
Gesetzgeber schreibt das so vor, daran halte ich mich.“

Uwe findet die rechtliche Grauzone des Online-Pokerns in Ordnung: „Wenn es legal wäre, 
müsste ich am Ende noch Steuern zahlen.“ Sein Kumpel Pierre dagegen hätte gerne 
rechtliche Sicherheit: „Wenn es legal wäre, könnte man Gewinne versteuern und Einsätze 
von der Steuer absetzen.“ Mit den Einnahmen könne der Staat dann viel effektiver 
Projekte zur Suchtprävention finanzieren. Er vermute sowieso, dass der Staat mit dem 
Monopol auf zusätzliche Einnahmen spekuliere, so Pierre. Das Suchtpotenzial schätzt Uwe 
als gering ein. „Entweder man ist gut – und erfolgreich, oder man verliert schnell 
wieder die Lust, wenn es nichts zu holen gibt.“
Information von www.casinos.ch
 
 
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