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 Poker Strategy: Häufig auftretende Situationen in shorthanded Fixed Limit Hold'em (07.11.2008)
Titel
Poker Strategy: Häufig auftretende Situationen in shorthanded Fixed Limit Hold'em

Autor/Erfasser
externe Quelle

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Swiss Poker

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Willem Drost Pokernews.com/de
In diesem Artikel möchte ich häufig auftretende Situationen im Fixed Limit Hold'em 
besprechen. In allen Beispielen raisen wir aus später Position. In der ersten Hand haben 
wir die Initiative, verfehlen jedoch den Flop. Im zweiten Beispiel werden wir mit einem 
schwachen Paar geraist und unser Gegner (als Villain bezeichnet) hat die Initiative. 

Unsere grundsätzliche Strategie nach dem Flop lautet: wir spielen bet/raise mit unseren 
guten Händen und fügen einige (Semi-) Bluffs hinzu. Mit marginalen Händen versuchen wir 
den Showdown so billig wie möglich zu sehen. Haben wir also ein schwaches Paar (oder Ass-
hoch), raisen wir nicht, aber geben die Hand auch nicht auf. Wenn wir den Flop ganz 
verfehlt haben, investieren wir kein Geld mehr in den Pot (außer wir möchten bluffen). 
Ferner spielen wir gegen einen Gegner immer eine Continuation Bet, egal ob wir den Flop 
getroffen haben oder nicht. 

Hand 1 

Wir sitzen im Cutoff mit , . Alle 
Spieler vor uns passen und wir eröffnen mit einem Raise. Button und Small Blind foldet, 
der Big Blind callt. 

Preflop: Hero ist CO mit ,  
(6 Spieler) 2 folds, Hero raist , 2 folds, BB calls. 

Flop: (4.5 SB) , ,  (2 players) 
BB checks, Hero bets , BB calls. 

Wir haben am Flop nichts getroffen, aber genauso könnte es Villain auch ergangen sein. 
Der Pot beträgt nun 4.5 Small Bets. Nehmen wir an Villain foldet zu 20% auf unsere Bet, 
sollte er nicht folden, so gewinnt er in unserer Rechnung die Hand zu 100%. In 20% der 
Fälle gewinnen wir also 4.5 Small Bets und zu 80% verlieren wir eine Small Bet. Der 
Erwartungswert (EV) beträgt somit 0.2 * 4.5SB + 0.8 * (- 1 SB) = +0.1 Small Bets. 

Tatsache ist jedoch, dass wir nicht immer verlieren, wenn Villain den Flop callt. 
Manchmal treffen wir den K oder J auf Turn oder River, selten machen wir auch eine 
Runner-Runner-Straight und manchmal halten wir noch die beste Hand. Somit ist der EV 
unserer Bet am Flop noch höher als errechnet. Die wichtige Quintessenz dieser Hand ist 
jedoch, dass man gegen einen Gegner immer eine Continuation Bet spielen sollte. 

Man kann auch berechnen wie oft Villain hier folden muss, um diesen Spielzug profitabel 
zu machen. Hierzu verwendet man die Formel 1/ (P+1), wobei P die Höhe des Pots 
entspricht. In diesem Fall wäre es 1/ (4.5+1) ergibt ungefähr 0.18 oder 18%. 

Turn: (3.25 BB)  
(2 Spieler) BB checks, Hero checks . 

Unser Bluff am Flop war nicht erfolgreich und so müssen wir uns nun entscheiden, ob es 
sich lohnt auch den Turn zu bluffen. Der Pot beträgt nun 3.25 Big Bets und Villain 
müsste (1/(3.25+1) ~ 23%) zu 23% am Turn folden. Das Problem ist, dass er den Flop 
callte und somit wahrscheinlich eine Hand hält, die er nicht oft genug am Turn aufgibt. 
Die beste Option wäre ein Check in Verbindung mit der Hoffnung am River zu treffen. 

River: (5.25 BB)  
(2 Spieler) BB bets , Hero folds. 

Leider haben wir nicht getroffen und halten nun K-high. Villain setzt und wir müssen uns 
nun entscheiden, ob wir am River callen möchten oder die Hand aufgeben sollten. Villain 
könnte hier einen nicht-materialisierten Draw halten. Das Problem ist, das man häufig 
den Turn behind checkt, um dann den River zu callen (dieser Spielzug nennt sich Value-
check und ist allgemein bekannt). Nachdem Villain also evtl. mit einem Call am River 
rechnet, wird er weniger geneigt sein diesen zu bluffen. 

Zusätzlich kommt, dass Villain hier nicht viele Hände in seiner Range hat, die er 
bluffen könnte. Wenn er einen Flushdraw spielt, hätte er wahrscheinlich den Flop 
gecheckraist. Mit welchen anderen besseren Händen kann er am Flop callen? Wir sind gegen 
jedes Paar hinten. Er könnte ohne Probleme ein Paar getroffen haben, oder sogar die 
Straße mit der  am 
Turn. 

Somit ist ein Fold am River die einzig richtige Option. 

Einige Bemerkungen: 

Zuerst, ist es notwendig den Turn regelmäßig zu bluffen. Wenn wir den Turn nicht betten, 
wird unser Spiel extrem vorhersagbar. Mit Händen wie KJo ist es besser den Turn zu 
checken, mit einem Flushdraw (J9 oder J7) können wir nochmals (Semi-)bluffen. 

Wir können auch gelegentlich den River callen um zu vermeiden ständig aus der Hand 
geblufft zu werden. Wir folden KJ hier, da wir sonst auch mit KQ, A2, etc. callen 
müssten und wir somit eine viel zu hohe Call-Frequenz hätten. Wir können den River mit 
AK, AQ und AJ callen, sollten uns jedoch von schlechteren Händen trennen. Natürlich 
könnten wir aus dem Pot geblufft werden, dies ist jedoch wichtiger Bestandteil jeder 
Strategie. 

Hand 2: 

In deser Hand sind wir ebenfalls der Preflopaggressor und erhöhen aus dem Cutoff mit 
96s. Diesmal 3-bettet uns jedoch der Spieler aus dem Small Blind. 

Preflop: Hero is CO mit ,  
(6 Spieler) 2 folds, Hero raises , Button folds, SB 3-bets , BB folds, Hero calls. 

Der Preflopraise ist vielleicht ein bisschen loose, er ist jedoch noch vertretbar. 
Hätten wir einen Read auf den Button, dass dieser mit vielen Händen callt, so wäre ein 
Fold die bessere Option. Wenn wir mit dieser Hand erhöhen, können wir Bets auf 
verschiedenen Weisen gewinnen. Erstens, wir gewinnen, wenn alle Spieler nach uns folden. 
Dies wäre natürlich das beste Ergebnis. Wir können auch gewinnen, wenn jemand callt und 
dann auf unsere Conti-Bet foldet. Oder wir gewinnen, wenn wir die beste Hand am Flop 
treffen. 

Wir werden aber nun vom Small Blind gereraist und bekommen Odds von 6:1, so dass wir auf 
jeden Fall seinen Reraise callen (auch mit einer Hand wie 72). Im Fixed Limit ist es 
immer richtig ein Reraise zu callen, wenn wir nur eine weitere Bet zahlen müssen. Es ist 
aber auch wichtig zu erkennen, dass Villains Hand im Durchschnitt sehr viel besser als 
unser 96s ist. Somit dürfen wir nach dem Flop nicht zu dickköpfig sein und die Hand 
unter allen Umständen gewinnen wollen. Seine Hand ist besser und so wird er auch mehr 
Pots gewinnen. Sollten wir den Flop verpassen ist ein Fold die einzig richtige Option. 

Flop: (7 SB) , ,  
(2 Spieler) SB bets , Hero calls. 

Eigentlich kein großartiger Flop, aber wir haben getroffen und halten oft die beste 
Hand. Villain hält hier oft Overcards wie AK, KJ, oder AJ. Alternativ könnte er auch 55 
oder 44 haben. Wir haben also oft die beste Hand und können bei Odds von 8:1 nicht 
folden. Wir müssen uns also zwischen Raise und Call entscheiden. 

Wir könnten hier aufgrund von mehreren Faktoren raisen. Zum einen natürlich, weil wir 
denken die beste Hand zu halten. Wenn wir annehmen, dass Villain die besten 15% der 
Hände spielt (77+,A7s+,K9s+,QTs+,JTs,ATo+,KTo+,QJo), so haben wir eine Equity von 55%. 
Wir können jedoch nicht for Value raisen, da Villain die schlechtesten Hände folden wird 
und sich unsere Equity gegen seine Callingrange verschlechtert. Er könnte sogar 
reraisen, wodurch wir noch mehr Geld gegen eine bessere Hand verlieren. 
Wir könnten auch zur Informationseinholung raisen. Die Reaktion von Villain verrät dann, 
ob er eine gute Hand hält oder nicht. Das Problem hierbei ist, dass wir der Reaktion von 
Villain nicht vertrauen können. Er könnte uns einfach mit AK oder vielleicht 89 raisen. 
Warum sollte man also Bets zur Informationsgewinnung investieren, wenn man dann den 
erhaltenen Informationen nicht trauen kann? Der dritte Grund zu raisen wäre es, um 
unsere Hand zu schützen. Villain bekommt jedoch Pot Odds von 10:1 auf dem Flop. Somit 
wird er nie eine Hand wie AK, QJ, J9, A9 aufgeben. Wir können also nicht verhindern, 
dass Villain die Möglichkeit erhält eine bessere Hand zu treffen, wir können ihn aber 
dafür bezahlen lassen. Auf der anderen Seite könnte er bereits die beste Hand halten und 
somit würden wir dafür bezahlen auf dem Turn zu treffen. Villain könnte am Turn auf eine 
Bet folden, eine Hand wie AK würde er jedoch nicht weglegen. Wenn man erwägt seine Hand 
zu schüzten, muss man immer die Kosten dafür bewerten und wie viel Schutz man überhaupt 
dafür bekommt. 

Indem wir den Flop nur callen, vermeiden wir es unnötig Geld gegen eine bessere Hand zu 
investieren und Villain erhält die Möglichkeit nochmals auf Turn und River zu bluffen. 
Unsere Hand ist zu stark um zu folden und zu schwach um zu erhöhen. Somit bleibt uns nur 
die Option des Calls. 

Man kann diese Vorgehensweise auch als Pot Control ansehen. Grundsätzlich ist es mit 2nd 
Pair ausreichend eine Bet pro Straße in den Pot zu bekomme. Welche schlechtere Hand 
würde denn mehr als eine Bet pro Straße in den Pot zahlen? Es macht also keinen Sinn 
mehr Geld zu investieren als die Hand tatsächlich wert ist. 

Wenn man raist und dann nochmals gereraist wird, hat man 1.5 Bets verloren. Natürlich 
müssen wir mit Pot Odds von 12:1 den Reraise dann callen. Sollten wir dann am Turn die 
Hand aufgeben, könnten wir die bessere Hand folden und haben nicht mehr die Möglichkeit 
unser Blatt am River zu verbessern. Wenn wir den Flop nur callen und genauso auf Turn 
und River verfahren, kostet uns das eine Big Bet mehr, aber wir laufen nicht Gefahr die 
bessere Hand zu folden. Zusätzlich kann sich unser Blatt auf dem River verbessern und 
wir können jederzeit raisen, wenn wir etwas getroffen haben. Dies gibt uns eine Art 
Implied Odds. Anders ausgedrückt: Wir entscheiden wir groß der Pot wird. 

Turn: (4.5 BB)  
(2 Spieler) SB bets , Hero calls. 

Keine schlechte Karte auf dem Turn. Nun haben wir ein Paar und einen Flushdraw. 
Abgesehen davon hat sich nicht viel verändert. Wer am Flop vorne war wird auch nun die 
bessere Hand halten, womit es keinen Grund gibt für uns zu raisen. Falls Villain 
beispielsweise AT hält, haben wir 14 Outs und somit eine Equity von ungefähr 30%. Hält 
er eine schlechter Hand besteht begründeter Verdacht, dass er auf einen Raise folden 
wird. Zudem wird er mit den meisten seiner schlechteren Händen (z.B. AK) den Turn 
checken, um nicht geraist zu werden. 

Ein Raise um den Showdown kostenlos zu sehen macht in diesem Fall keinen Sinn, da wir 
nie mehr Geld von einer schlechteren Hand bekommen. Wir können jedoch den River raisen, 
falls wir noch den Flush bekommen. Nachdem Villain keine bessere Hand folden wird, haben 
wir auch keine Möglichkeit auf einen erfolgreichen Bluff. Der Nachteil eines Raises ist, 
dass wir ein Reraise callen müssen. Nun verlieren wir 3 Bets gegen eine Monsterhand, wie 
beispielsweise ein Set, wenn wir dann den River aufgeben. Durch den Call verlieren wir 
nur 2 Bets gegen ein Monster und gewinnen 3 Bets falls wir treffen. 

River: (6.5 BB)  
(2 Spieler) SB bets , Hero raises , SB calls. 

Jackpot, zumindest hoffen wir das. Wie verlieren immer noch, falls Villain eine Straße, 
ein Set oder zwei bessere Paare hat. Nun schlagen wir aber Hände wie AA, AK, AT etc. 
Nachdem wir hier oft die beste Hand halten und da Villain uns mit einer schlechteren 
Hand ausbezahlen wird, können wir am River raisen. Manchmal verlieren wir 3 Bets an 
dieser Stelle, wir gewinnen jedoch viel öfter eine zusätzliche Bet gegen Hände wie AA. 

Wäre der River beispielsweise eine  gewesen, könnten wir noch callen. Wir bekommen immer noch Pot Odds von 7.5:1 
und müssen die Hand nur in 1/ (7.5+1)= 12% der Fälle gewinnen. 

Die grundsätzliche Strategie bei einer marginalen Hand am Flop ist es diese nicht zu 
folden und gleichzeitig darauf zu achten, dass der Pot nicht zu groß wird. Callen wird 
oft als schwach angesehen, es ist jedoch auch ein wichtiger Bestandteil einer 
erfolgreichen Strategie. 

Information von Richard Honegger
 
 
 
  
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