Wir erinnern uns an eine Affäre im Herbst vergangenen Jahres, als einige High-Roller bei
AbsolutPoker, aller Wahrscheinlichkeit nach unter Mithilfe eines Mitarbeiters, abgezockt
worden sind.
Und jetzt lesen wir in den Medien von möglichem Betrug bei UltimatePoker im gleichen
Network. Der Spielername „NioNio“ wird genannt, der in nur 3.000 Händen 300.000 Dollar
gewonnen habe. Poker News Daily berichtete am 29. September (Link zur Quelle), dass
UlitimatePoker noch eine ganze Liste weiterer Spieler genannt habe, die in diesen
vermuteten Betrugsskandal verwickelt sein mögen (Crackcorn55, WhakMe, GrabBag123,
gravitation, Bgroup, H_Curtis, Twenty 1, WacoManiac, Broke_In_L_A, ShaqTack,
BlueBerry101, HolyMucker, 55WasHere, Xnomas, dannyboy55, Indy05, and SlimPikins2.)
Es wirft sich die Frage auf: Wie sicher ist Online-Poker wirklich? Kann man, wenn man
von derartigen Unregelmäßigen, oder auch nur von den Möglichkeiten solcher
Manipulationen, erfährt, weiterhin voller Vertrauen Geld auf Pokerseiten überweisen, an
den Tisch bringen und gegen andere Spieler einsetzen?
Ich will diese Frage nicht bloß mit einem einfachen Ja beantworten. Wir haben uns - und
wenn nicht wir, wer dann? - mit diesem Problem eingehend auseinander gesetzt, haben
recherchiert und uns von unseren Partnerseiten Stellungnahmen eingeholt.
Zuerst möchte ich allerdings auf nachgewiesene Betrugsskandale beim Live-Poker
verweisen. Wie Pokerolymp gerade berichtet, so haben vier Männer in Borgota (James
Harrison aus Duluth, Minnesota, Las Vegas Resident Joseph Ingargiola, Stephen Phillips
und Steven Forte) ein Hotelzimmer mit allen technischen Möglichkeiten präpariert, um
bestimmten Spielern ihr Geld betrügerisch aus der Tasche zu ziehen.
Steve Forte wurde übrigens schon einmal, am 7. Juni 2007 in Atlantic City, von der
Polizei wegen eines ähnlichen Versuches von der Polizei verhaftet. Wir haben darüber
berichtet.
Wie lange ist es her, dass ein Spieler im staatlichen Casino von Hamburg der Polizei
übergeben worden ist, nachdem er, dank zweier Karten im Ärmel, ahnungslosen Gegnern die
überraschendsten Niederlagen zugeführt hatte?
Wo immer Geld involviert ist, und insbesondere am Spieltisch, lauert die Gefahr von
Betrug. Das soll und kann aber nicht bedeuten, dass wir auch wirklich immer mit Betrug
konfrontiert sind. Schließlich werden auch täglich Unmengen von Autos gestohlen und
unseres steht trotzdem noch vor der Tür.
Betrug passiert. Richtig. Betrug ist aber – zum Glück – nicht die Regel, sondern die
Ausnahme.
So wie es, insbesondere mit technischen Hilfsmitteln, auch beim Live-Spiel möglich ist,
Informationen über die Hole-Cards der Gegner zu erhalten, so ist dies im Internet, wenn
auch noch schwieriger, theoretisch ebenso möglich.
Allerdings, so wie jedes Casino, jeder seriöse Pokerclub, aufs äußerste an einem
reibungslosen Ablauf interessiert ist, so können wir mit Sicherheit davon ausgehen, dass
auch Online-Pokerseiten ihr Bestes tun, um das Risiko, dass ihre Kunden von anderen
abgezockt werden könnten, nicht nur auf ein Minimum reduzieren, sondern meistens sogar
gänzlich ausschließen.
Online-Seiten verdienen gutes Geld, wirklich gutes Geld, durch die regelmäßig
eingehobene Rake. Dieser kleine Anteil an jedem Pot, den wir Spieler ohne weiteres
verschmerzen, macht in Summe aber nennenswerte Beträge aus. Und keine seriöse Pokerseite
wird diese Einnahmen aufs Spiel setzen.
Von allen technischen Möglichkeiten abgesehen, das erste, was einer Pokerseite auffällt,
sind hohe und regelmäßige Gewinne. Hier beginnen die Warnlichter bereits zu blinken. Das
Spiel wird analysiert. Mit welchen Karten hat er geraist, gecallt, gefoldet? Sollte
einem Spieler, vielleicht sogar mit der Hilfe eines korrupten Angestellten, wirklich der
Einblick in die gegnerischen Hole-Cards möglich sein, wie leicht lässt sich dieser
Verdacht erhärten und bestätigen, wenn ein Spieler immer mit dem besseren Blatt callt
oder raist, sich von Verlustkarten, auch wenn sie einen Call rechtfertigen würden, aber
verabschiedet?
Was uns am Online-Tisch verborgen bleibt, ist für spätere Analysen für die Kontroller
der Seiten immer einsehbar. Und dass die Pokerseiten sich darum kümmern, darauf könnt
Ihr Gift nehmen.
So wie es im Casino oft die Spieler selbst sind, die auf mögliche Manipulationen stoßen
und die Casinoleitung informieren, so sind es online Tausende, die ständig allen Details
Beachtung schenken, die jeden Verdacht dem Support mitteilen. Solche Hinweise werden von
den Pokerseiten nicht auf die leichte Schulter genommen. Es wird praktisch jeder
Information nachgegangen, wobei selbst simple Collusion in kürzester Zeit aufgedeckt
wird.
Wenn das Risiko auch klein sein möge, wenn jeder Skandal letztendlich auffliegt, kann es
aber nicht trotzdem passieren, dass wir eine Menge Geld verlieren, bis ein eventueller
Betrüger entlarvt ist? Diese Überlegung mag nicht ganz unberechtigt sein. Allerdings,
auf welcher Einsatzebene beginnt Betrug, der kostspielige technische Vorbereitungen und
meist ordentliche Schmiergelder für korrupte Experten verlangt, sich auszuzahlen? Bei NL
50 sicher nicht. Auch nicht bei NL 200 oder NL 400. Sollte es einem Gauner wirklich
vorübergehend gelingen, sich Einblick in die Hole-Cards der Gegner zu verschaffen, dann
können wir sicher sein, dass er sich an die höchstmöglichen Tische setzt. Solange wir
nicht an denen Spielen, brauchen wir uns, logischerweise, überhaupt kein Kopfzerbrechen
machen.
Alex Lauzon Pokerakdademie.com
Link zur Pokerakademie.com und vielen interessanten Poker-Tipps und Stories.
Information von Richard Honegger
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